Michael Bluemel - Die Seeschlacht
Die Seeschlacht
 
Vernichtet wurden wir dort in Salamis
Wehe! Wehe! Wehe! rufen wir aus -
Unser sind doch Ekbatana und Susa
und auch Persepolis - die allerschoensten Orte.
Was hatten wir in Salamis zu suchen,
Flotten anzuschleppen und zu kaempfen!
Jetzt kehren wir zurueck in unser Ekbatana,
zurueck nach Persepolis und Susa.
Zurueck - doch nichts wird uns wie einst erfreuen.
Otototoi, otototoi, ach diese Seeschlacht,
warum musste sie sein, war sie denn noetig?
Otototoi, otototoi, warum denn mussten wir
auf und davon uns machen, verlassen all das Gute?
Und dorthin ziehn und miserabel kaempfen!
Warum wohl musste es so sein? Doch kaum nennt einer
sein Eigen das vielgeruehmte Ekbatana und Susa
und auch Persepolis, gleich ruestet er sich eine Flotte
und reist zur Seeschlacht zu den Griechen.
Ach ja, fuehr'n andre Gruende wir nicht an.
Otototoi, otototoi, otototoi,
Ach ja, das einzige was uns zu sagen bleibt, ist einzig;:
Wehe! Wehe! Wehe!
1899

 

In der Seeschlacht bei Salamis - einer Insel vor Athen - unterlagen 480 v.Chr. die zahlenmaessig weit ueberlegenen Perser unter Xerxes I., den Griechen unter der genialen Fuehrung ihres Feldherrn Themistokles. Dadurch wurden die Expansionsbestrebungen der Perser endgueltig beendet und  die Geschichte Europas festgelegt.
Kavafis' Hohn in diesem Gedicht ist berechtigt, denn die Perser, die in diesem Feldzug nach reicher Beute schielten, waren viel wohlhabener als die Griechen, die sich von den Persern vor allem durch ihre karge Lebensfuehrung unterschieden.

 

 

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