Writer's Block oder Das (Mach-) Werk

Auch grossen Dichtern ist's passiert:
sie sitzen gruebelnd manche Stunde,
da sich am Monitor nichts ruehrt,
obwohl ihr Ruhm in aller Munde.

Passiert
uns so was dann und wann,
so wird das nicht die Welt bewegen,
nach unsren Werken kraeht kein Hahn
und niemand moechte sie verlegen.





Es sass die grosse Dichterin
bar jeder Inspiration
und starrte auf den Bildschirm hin,
da laeutet schrill das Telephon:

"Was ist mit dem Theaterstueck,
das du zu liefern uns versprochen?
Sonst gib den Vorschuss gleich zurueck,
bist in Verzug schon seit vier Wochen!"

'Oh guter Gott, zurueck die Kohlen?
Die sind doch laengst schon ausgegeben!
Ich tue gleich, wie mir befohlen,
Jetzt koennt ihr aber was erleben!'

Sie legt den Duden vor sich hin,
tippt Woerter ab, ganz nach Belieben,
das gibt zwar alles keinen Sinn,

doch ist es modisch kleingeschrieben.

Das Telephonbuch liefert Namen
fuer eine Handlung, die's nicht gibt,
so schreibt man schnell moderne Dramen;
sie druckt voll Stolz das Manuskript.

Nun faengt sie an, es durchzulesen,
da faellt ihr gleich ein Fehler auf:
sie hat das Wichtigste vergessen:
es steht noch nicht ihr Name drauf!

Das holt sie unverzueglich nach,
denn dieser ist Verkaufsgarant,
und ist das Werk auch mehr als schwach,
macht nichts, wenn man schon weltbekannt.

Trotzdem befriedigt es sie nicht,
das Stueck, das hastig fabriziert,
weil's ganz an Inhalt ihm gebricht,
worauf sie's eilig revidiert.

Mit zwei verstaendlichen Sequenzen,
paar Anglizismen dann und wann,
geht sie daran, es zu ergaenzen,
damit man weiss, dass sie das kann.

Doch wird die Sache erst perfekt,
nachdems sie's reichlich unterspickt
mit derbem Gossendialekt,
worauf sie's ihrem Lektor schickt.

Der mueht sich sehr, es zu verstehen,
in Angst, dass, wenn's ihm nicht gefaellt,
sollt' ihm der tief're Sinn entgehen,
man ihn fuer einen Trottel haelt.

Trotzdem ist er sehr optimistisch,
und greift sogleich zum Telephon,
- er meint, es sei avantgardistisch -
waehlt des Theaters Direktion.

Im Schauspielhaus ist man erbaut:
Hier wird Modernes aufgefuehrt,
weil man sich mutig alles traut,
denn es ist staatlich subventioniert.

Das Stueck wir koeniglich besetzt,
Beleuchtung, Tonkunst genial,
nur die Akteure sind entsetzt,
sie finden's schlicht katastrophal:

"Das Werk, das ist doch unspielbar,
wird dieser Dreck hier inszeniert,
kommen wir ernsthaft in Gefahr,
dass man zu Recht uns bombardiert,
mit faulen Eiern und Tomaten!
auch wird die Presse es verreissen,
darum ist dringendst abzuraten,
das Publikum so zu besch .....!"

Doch es beruhigt der Intendant:
sogar der Kuehnste wird's nicht wagen,
Einer, die weltweit anerkannt
ein einzig's boeses Wort zu sagen."

Er sprach's und bei der Premiere,
Groessen aus Kunst und Politik,
erwiesen der Dichterin die Ehre,
am naechsten Tag schreibt die Kritik:

"Es war ein Lostag der Geschichte,
ein Fest des Wortes, der Gedichte,
man merkte es am Anfang schon:
- ein Sieg der Inspiration!'



zurueck
 

 

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