Vergebliche Liebesmueh

Maria Meier, unvermaehlt,
Die fuenfundfuenfzig Jahre zaehlt,
Findet, es sei furchtbar schad,
Dass sie keinen Gatten hat.

Es waere nicht dazu gekommen,
Haette sie irgendwen genommen,
Doch sie traeumt von einem Mann,
Der ihr etwas bieten kann.

Im Nebenhaus, hat sie erfahren,
Wohnt Mueller, in den besten Jahren.
Ein Witwer - sehr gut situiert -
Und beruflich arriviert.

Was tu ich nun, wie stell ich's an,
Wie komme ich an diesen Mann ?

Wohl haben sie sich oft gesehen,
Wenn morgens sie zur Arbeit gehen,
Jedoch ihn auch nur anzuschauen,
Fehlt ihr das rechte Selbstvertrauen.

Denn -
Wenn sie in den Spiegel blickt,
Ist sie gar nicht mehr entzueckt.

Obwohl sie fleissig Salben schmiert,
Ist ihre Haut schon stark plissiert.
Fettpolster zieren ihre Hueften,
Bauch und Busen muss man liften.

Die Zaehne gelb, die Haare grau,
Bin ich schon eine alte Frau ?

Vernuenftig, wie sie immer war,
Ist Maria sonnenklar,
Dass da ohne Trug und List
Keiner einzufangen ist.

Wo es an der Schoenheit fehlt,
Hilft sehr oft ein Haufen Geld.
Kliniken und Schoenheitsfarmen
Liessen Manche schon verarmen.

Sie geht in sich und sie beschliesst,
Zu aendern, was zu aendern ist.

Ohne ihr Budget zu schonen,
Installiert man Jacketkronen,
Die alte Haut wird straffgezogen,
Bauch und Hueften abgesogen,
Die Brueste werden eleviert
Und der Hals remodelliert.

Ihr altes Auto ist passe,
Sie kauft ein schnittiges Coupe;
Und mit des Kontos letzten Resten
Kleidet sie sich - nur vom Besten.

Ihr Selbstbewusstsein ist gerettet,
Weil sie nun schoen und auch entfettet.
Das Geld, das ist dahingeschwunden,
Gemeinsam mit den Alterspfunden.

Das Kleid ist eng, die Haut so straff -
Der Mueller sieht sie - und ist baff.
Wo hab ich die nur schon gesehen ?
So toll, vom Kopf bis zu den Zehen ?
Oh Gott, jetzt laechelt sie mich an !
Mit Zaehnen wie aus Porzellan !

Kurzum - der Anfang ist gemacht:
Es kommt zur heissen Liebesnacht:
Der folgen viele andre Naechte,
Ob Mueller auch an Heirat daechte ?

"Sag mein Schatz, was denkst du dir,
wird kuenftighin aus dir und mir ?"

Der Mueller windet sich in Qualen,
Die Frage will ihm nicht gefallen.

Maria, du hast mich betoert,
Obwohl mein Herz dir nicht gehoert.
Das hab ich lange schon verloren
An Eine, die ich auserkoren:
Die wuerde besser zu mir passen,
Deswegen muss ich dich verlassen.

Du bist ein schoener, bunter Falter,
Fuer einen Mann in meinem Alter -
Maria, sei mir jetzt nicht boes -
Waer so 'ne Wahl nicht serioes.
Du bis wohl rundum wunderbar,
Nur such ich leider keinen Star.

Es mangelt mir zwar nicht an Geld,
Du aber lebst in einer Welt,
Die meinem biederen Lebensstil
Keineswegs entsprechen will.

Dort, wo du wohnst, da lebte Eine,
Die ich ertraeumte als die Meine.
Nicht mehr ganz jung, doch interessant,
Drum hab ich lange schon geplant,
Sie ehelich an mich zu binden,
Doch leider kann ich sie nicht finden.

Maria schluckt, soll sie ihm sagen,
Was sie um seinetwill'n ertragen ?
Dass sie ihr altes Ich begraben,
Zusammen mit dem Bankguthaben -
Ihr altes Ich, das er so schaetzte,
Dass er ihr neues Ich verletzte.

Ach, was soll's ich hab' Geduld,
An dem Malheur ist keiner schuld.
Ich warte noch ein bisschen, dann
Faengt das Altern wieder an.
(Doch bis zur Bildung neuer Falten
Will ich mich bestens unterhalten !)


zurueck
 
1