Der Ötzi


Er raunzt, auch wenn ihm rein gar nichts fehlt,
und quaelt sich in schrecklichen Sorgen:
wenn einer meine Ersparnisse zaehlt,
dann moecht' er sich etwas borgen.

Drum hortet er Geld in aller Stille,
er goennt sich wenig und spart wie wild,
troestet sich oft mit mancher Promille,
worauf er sich wie ein Kaiser fuehlt.

Ja, mit dem Kaiser, wie war das schoen !
Da gab es noch reichliche Mittel;
wir haben auf alle herabgesehn
und hatten Palaeste und Titel.

Halb Europa umspannt' unser Land,
erworben am Traualtar -
friedlich geeint durch der Ehe Band,
auch wenn es nicht immer Liebe war.

So sinniert er bei Wein und Schnitzelduft
ueber einstigen Glanz und Pracht,
Traeumt von Hofburg und Kapuzinergruft,
von Habsburgs glorreicher Macht.

Dazu hat der Schani schoen aufgegeigt,
Andreas Hofer vertrieb die Franzosen,
der ganzen Welt haben wir's damals gezeigt,
in Stutzen und Lederhosen.

Was haben wir doch fuer glanzvolle Gene,
sind grosszuegig, kultiviert und galant !
Ein Volk begabt fuer das Edle und Schoene,
dafuer sind wir ueberall anerkannt.

Die boesen Zungen haben nicht recht,
die meinen, wir seien knausrig und fad,
sagt das nur laut, dann geht es euch schlecht !
weil unser Charme hier sein Ende hat.

Nun stosst mit mir an und leert die Flasche !
lasst ja keinen Tropfen danebenfallen !
Denn das Geld sitzt uns aeusserst fest in der Tasche,
wir woll'n nichts verschenken, was wir bezahlen !