Freunde, lasst die Glaeser klingen,
die Champagnerkorken springen,
die Freude ist kaum noch zu steuern:
wir kommen nicht mehr aus dem Feiern!

Krieg zu Ende, Staatsvertrag,
Nobelpreis - auch wenn sie'n nicht mag,
hundert Jahre "Waffen nieder!"
zehn Jahre schon EU-Mitglieder.

Truppenabzug - welch ein Glueck!
Vorher schon Zweite Republik,
zweihundert Jahre Stifter und
fuenfzig der Gewerkschaftsbund.

Feiert, dass die Fetzen fliegen,
wir haben sechzig Jahe Frieden!
Nur plagen uns jetzt andre Sorgen:
bleibt was zu Feiern auch fuer morgen?

Keine Angst, der Alpenstaat
hat immer wieder was parat:

Neunzig Jahre Simpl-Scherze,
da schmilzt vor Ruehrung die Pasterze,
Jubilaeum hat das Sacher,
der erste Kuss der Mutzenbacher,
Prost! hundert Jahre Muellabfuhr!
Baumeister Lugners Professur,
fuenfzig Jahre Opernball
und zwanzig Musikantenstall,
fuenf Jahre Millionenquiz,
zweihundert schon seit Austerlitz.

Die Oesterreicher, hoert man sagen,
dass sie unendlich Fasching haben.
Man meint, wir seien oberflaechlich,
das Wichtige uns nebensaechlich -
worauf wohl dieser Eindruck fusst?
Wir sind extrem geschichtsbewusst!
Der Jubilaeumsstaat
Oesterreich hat heuer eine Unmenge an Jubilaeen zu feiern. Was es auch jeweils sei, ich gratuliere mit diesem Gedicht.
zurueck
 

 

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